Winterprogramm 2018/19

Der Verein bietet im Herbst und Winter Vorträge und andere Veranstaltungen an.


Informationen zum Vortragsprogramm des Naturwissenschaftlichen Vereins Lüneburg im Winterhalbjahr 2018/19

Wenn nicht anders angegeben, finden die Vorträge im Marcus-Heinemann-Saal des Museums Lüneburg statt, Eingang Wandrahmstr. 10

Vorträge: Eintritt 4 € (Mitglieder bei Vorlage des
Mitgliedsausweises oder mit besonderem Hinweis frei),
Spenden sind willkommen.

Mittwoch, 24. Oktober 2018, 19.00 Uhr

Faszination Imkerei

Dr. Gerhard Fehrentz, Deutsch Evern

Koenigin mit Hofstaat

Nach wichtigen einleitenden Informationen über unser kleinstes Haustier stellt der Referent das Leben der Honigbienen im Jahresverlauf vor und wie sich die Imkerei danach richtet: Bienenbeuten, Wabenbau, Fortpflanzung, Ableger, Schwärme, Nahrung, Trachtpflanzen, Bestäubung, Honigernte, Bienenprodukte, Winterbevorratung, und Krankheiten. Basierend auf seiner elfjährigen Erfahrung als Imker geht er auf selbst beobachtete Auswirkungen von Lebensraumveränderungen und Klimawandel auf das Leben der einheimischen Honigbienen ein. Sein Vortrag ist Fortsetzung und Abschluss des Referats vom Oktober 2017.

Dr. Gerhard Fehrentz hat Landwirtschaft mit Fachrichtung Tierzucht studiert und war bis zu seiner Pensionierung bei der Bezirksregierung Lüneburg als Dezernent im Bereich Ernährungs- und Landwirtschaft tätig. Die Imkerei betreibt er seit 2008 und mit zur Zeit 10 Bienenvölkern.

 

Mittwoch, 21. November 2018, 19.00 Uhr

„Sind alle Menschen gleich, oder steht der Mohr dem Affengeschlecht näher?“ Die Wissenschaft vom Menschen um 1800

Dipl.-Geograph Rolf Siemon, Hannoversch Münden

Fragen der Menschheitsgeschichte und Erkenntnisse der großen Forschungsreisen waren im 18. Jahrhundert zentrale Themen der europäischen Wissenschaft mit direkten Auswirkungen auf das gesellschaftliche Leben. Der Philosoph Immanuel Kant, der Theologe Johann Gottfried Herder, der Naturforscher und Weltreisende Georg Forster, der Mediziner und Anatom Samuel Thomas Soemmerring, der Kulturgeograph Christoph Meiners und der Anthropologe Johann Friedrich Blumenbach, um nur einige wichtige Namen zu nennen, standen in einem fruchtbaren und streitbaren Austausch miteinander. Auch Johann Wolfgang Goethe, Naturforscher und Schriftsteller, zählte zu diesem Kreis und stellte als aufgeklärter Gelehrter fest: „Wir lernen die Menschen nicht kennen, wenn sie zu uns kommen; wir müssen zu ihnen gehen, um zu erfahren wie es mit ihnen steht (…) so gehört schon Unverstand und böser Wille dazu, um das lächerlich zu finden, was uns in mehr als einem Sinne ehrwürdig scheinen müßte“ – Menschenliebe und Rassismus, welche heute zu Recht gefordert bzw. angeprangert werden, prägten bereits um 1800 mehr oder weniger nicht nur die wissenschaftliche Auseinandersetzung.

Rolf Siemon, Jahrgang 1962, studierte Geographie, Ethnologie, Geologie, Wirtschafts- und Sozialgeschichte in Göttingen. Im Anschluss war er Kulturreferent der Landsmannschaft Westpreußen in Münster und freiberuflich in verschiedenen Aufgaben wie der Erwachsenenbildung, als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Ethnologie in Göttingen sowie am Stadt- und am Naturkundemuseum in Kassel tätig. Heute leitet er den Sozialen Dienst einer gerontologischen Einrichtung in Hann. Münden.

 

Mittwoch, 28. November 2018, 19.30 Uhr

Das Lüneburger Raritätenkabinett des Tobias Reimers

Eine gemeinsame Veranstaltung des Naturwissenschaftlichen Vereins für das Fürstentum Lüneburg und des Museumsvereins für das Fürstentum Lüneburg.

Dr. Ulfert Tschirner, Lüneburg

ai im Lüneburger Raritaetenkabinett

Tobias Reimers (1653-1716) war ab 1686 Syndikus, später Bürgermeister in Lüneburg. Sein Raritätenkabinett im Haus an der Neuen Sülze war um 1700 neben den Kirchen, dem Rathaus und der Saline eine Hauptattraktion der Stadt, die in vielen Reiseberichten gerühmt wurde und europaweit bekannt war.

Reimers konnte in seiner umfangreichen Sammlung mit zahlreichen Schaustücken und Seltenheiten aus den „drei Reichen der Natur“ (Erd-, Pflanzen- und Tierreich) ebenso aufwarten wie mit einigen historischen Kuriosa, die geeignet waren, die barocken Phantasien der Zeitgenossen zu beflügeln. So zeigte er Besuchern nicht nur eine große Auswahl unüblich gewundener Muschel- und Schneckenschalen oder fossile Haifischzähne, über deren Ursprung man damals eifrig diskutierte – sondern auch die blutbesprengte Rüstung des schwedischen Königs Gustav Adolf, eine vollständige ägyptische Mumie und „ein Bisgen von der Erde, davon Adam gemacht seyn soll“.

Die Sammlung wurde nach dem Tod von Tobias Reimers verkauft und ist 1737 angeblich vollständig verbrannt. Historische Abbildungen sind nicht überliefert. Und doch ermöglichen die historischen Berichte eine Rekonstruktion des Raumes und der barocken Idee dieser großen bürgerlichen „Kunst- und Wunderkammer“.

Der Vortrag stellt diese besondere und dennoch typische Kollektion als Vorgeschichte unserer heutigen Sammlungen vor und wirft auch einen Blick auf die geplante (Wieder-)Eröffnung eines rekonstruierten Raritätenkabinetts im Museum Lüneburg.

Dr. Ulfert Tschirner, geboren 1974, war von 2008 bis 2011 freiberuflich und ist seit 2012 als Kurator der kulturhistorischen Sammlungen am Museum Lüneburg tätig. Er studierte Geschichte und Kommunikationswissenschaft an der Universität Münster sowie Museologie an der Universität Oldenburg. Ab 2003 führte er Forschungen zur Museums- und Mediengeschichte am Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg durch und von 2005 bis 2007 war er Stipendiat am DFG-Graduiertenkolleg „Mediale Historiographien“ in Weimar, Erfurt und Jena. 2010 wurde er mit einer Dissertation zum Thema „Museum, Photographie und Reproduktion. Mediale Konstellationen im Untergrund des Germanischen Nationalmuseums“ an der Universität Erfurt promoviert.

 

Mittwoch, 12. Dezember 2018, 19.00 Uhr

Grenzwertige Grenzwerte- wie (un)sicher sind unsere Lebensmittel?

Dr. Rolf-Dieter Aye, Lüneburg

Unsere Erde hat ihre eigene gut viereinhalb Milliarden Jahre währende Geschichte aufgezeichnet. Wir müssen dieses faszinierende „Geschichtsbuch Erde“ nur zu lesen lernen. Die Gesteine – von ihrem mikroskopischen Gefüge bis hin zu ihren Gebirge und Kontinente bildenden Verbänden – sind der Text dieses Buches, die Fossilien die Abbildungen. Und selbst der Buchschmuck fehlt nicht, das sind die oft prächtigen Kristallstufen.

Wir werden täglich mit Grenzwerten konfrontiert, in Dimensionen (ppm, ppb, ppt), die wir vielfach gedanklich gar nicht realisieren können. Was bedeuten diese Grenzwerte, wie kommen sie zustande und wie sind sie toxikologisch einzuordnen und zu bewerten?
Der Referent wird einen Einblick in die Probleme bei der Festlegung von Grenzwerten durch Politiker und offizielle Stellen geben, in die Abwägung von toxikologischer Erfordernis sowie von Risiko und Nutzen. Er wird dabei auch auf wirtschaftliche Gegebenheiten eingehen, die in die Beurteilung von Grenzwerten eingehen. Konkret soll dies an Beispielen bekannter Stoffe dargestellt - und gerne auch diskutiert werden.

Dr. Rolf-Dieter Aye, Jahrgang 1940, ist Apotheker und wurde in pharmazeutischer Chemie promoviert. Nach einer Anstellung bei der Firma Merck war er 35 Jahre lang als niedergelassener Apotheker in Lüneburg tätig und widmete sich der Herstellung, Analytik und Qualitätssicherheit von Medikamenten. Zeitgleich war er aber auch als externer Sachverständiger für homöopathische und pflanzliche Arzneimittel an der Zulassungsstelle für Arzneimittel tätig. Im Ruhestand stellt er seine Erfahrungen als „Qualified Person“ (QP) mittelständischen Pharmaunternehmen zur Verfügung.

Mittwoch, 16. Januar 2019, 19.00 Uhr

Charles Darwin zum 210. Geburtstag: Wie die Evolutionsidee entstand und unser Weltbild veränderte

Dr. Wolfram Eckloff, Reppenstedt

Darwin 1840

Die enorme Vielfalt in der Natur und ihre Verursachung führten bereits vor Darwin zu Evolutionsideen. Die Entdeckung der kausalen Zusammenhänge blieb indessen Charles Darwin (1809-1882) vorbehalten. Der Vortrag beleuchtet die Geschichte der Evolutionsidee in der Biografie Charles Darwins und verfolgt ihre Bedeutung für die Biologie und ihre Auswirkung in Religion und Gesellschaft bis heute.

Dr. Wolfram Eckloff, Jahrgang 1945, studierte Biologie in Marburg und Freiburg und nahm zunächst eine Stelle als Entomologe am Forstzoologischen Institut der Uni Freiburg an. 1981 ging er als Museumspädagoge ans Naturhistorische Museum nach Lübeck, das er von 1993 bis 2010 als Leiter zum Museum für Natur und Umwelt entwickelte. In dieser Aufgabe baute er zusammen mit dem Naturwissenschaftlichen Verein zu Lübeck eine anspruchsvolle Vortragsreihe auf, in der naturkundliche Themen in Grenzbereichen zu zahlreichen Disziplinen im Mittelpunkt stehen und deren Ergebnisse in der Zeitschrift „Urania“ publiziert werden.

 

Mittwoch, 13. Februar 2019, 19.00 Uhr

Das Ende der Natur

Dr. Susanne Dohrn, Tornesch

Susanne_Dohrn



Zahllose Wiesen- und Ackerpflanzen, Insekten und Feldvögel gehörten bis vor wenigen Jahrzehnten ganz selbstverständlich zu unserer Landschaft. Heute sind etwa die Hälfte von ihnen gefährdet oder verschwunden. Je mehr aus Bauern intensiv produzierende Landwirte wurden, desto stärker verödeten artenreiche Wiesen und Weiden zu Intensivgrünland und vielfältige Ackerlandschaften zu industriell bewirtschafteten Monokulturen. So wird die Landwirtschaft vielerorts zur Totengräberin der biologischen Vielfalt. Susanne Dohrn zeigt diesen stillen, aber drastischen Verlust und schildert eindrücklich die bedrohten Lebensräume und ihre Bewohner. Sie benennt die Beteiligten und stellt Beispiele einer naturverträglichen Landwirtschaft vor. 

Dr. Susanne Dohrn, Jahrgang 1955, arbeitet als freie Journalistin und Publizistin. Seit 2013 ist sie Ratsfrau der Stadt Tornesch in Schleswig-Holstein und Mitglied im Umweltausschuss. Sie hat einen großen Garten, ist Autorin des Buches „Das Ende der Natur“ (erschienen im Dezember 2017 im Christoph Links Verlag) und betreibt einen Blog:

 

Mittwoch, 6. März 2019, 19.00 Uhr

Jahreshauptversammlung/Mitgliederversammlung des NWV mit anschließendem Vortrag:

Faszination Afrika – die Bijagos-Inseln vor der Küste von Guinea-Bissau

Dr. Christoph Hinkelmann, Lüneburg

Tanzende auf Orango

Afrika bildet insbesondere südlich der Sahara eine biogeographische, von den anderen Kontinenten klar getrennte Einheit. Zum Festlandssockel gehörten auch einmal große, heute im Meer versunkene Gebiete vor den heutigen Küsten, insbesondere im Westen. Die Bijagos-Inseln vor der Küste von Guinea-Bissau, auf denen neben vielen anderen Tieren des Kontinents sogar Flusspferde vorkommen, zeugen bis heute davon.

Hier leben, weitgehend unberührt von der ehemaligen Kolonialmacht Portugal ebenso wie von den heutigen, sich immer mehr dem Islam zuneigenden Machthabern in Bissau, Afrikaner nach uralten, animistischen Bräuchen von dem, was das Land und das Meer ihnen bieten. Bis heute konnten sie ihre traditionelle Lebensweise, in der die Frauen den Ton angeben und ihr Leben selbst bestimmen, behaupten.

Dr. Christoph Hinkelmann, Jahrgang 1957, ist Diplombiologe und seit 1993 als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Ostpreußischen Landesmuseum in Lüneburg tätig. Zu seinen bevorzugten außerdienstlichen Interessen zählen tropische Lebensräume und ihre Bewohner, insbesondere Vögel.